Pressespiegel

Rheinmain Presse Kultur am Wochenende Samstag 9.September 2017

Vom Flohzirkus in der Tabakdose

KUNSTARCHE Eine sehr unterhaltsame Gruppenausstellung zum bunten Thema "Tiere in der Stadt"

Von Birgitta Lamparth

WIESBADEN - Ganz schön schnell unterwegs. Da rast ein Gepard am Wiesbadener Bowling Green vorbei – und erinnert fatal an jenes arme Wildschwein, das kürzlich einen Schaufensterbummel in der Wilhelmstraße mit dem Leben bezahlen musste. Der Gepard hat seines schon vor langer Zeit verloren: Er ist präpariert und zählt zur Naturhistorischen Sammlung des Wiesbadener Museums. Fotokunst von Dietmar Buchelt macht seinen Ausflug auf die Rue möglich.

Zu sehen ist diese Arbeit zusammen mit zahlreichen anderen zum Thema „Tiere in der Stadt“ seit gestern Abend in der Kunstarche am Stadtarchiv, Im Rad 42. Die große Gruppenausstellung versuche, „das Menschliche im Tier und das Tierische im Menschen zu spiegeln“, so Felicitas Reusch von der Kunstarche, die sich in den vergangenen Jahren vom Archiv für Künstlernachlässe zum attraktiven Ausstellungsort gemausert hat.

Stars in der Manege: Von Uta Grün ist u. a. diese wunderbar verrätselte Zirkusszene zu sehen.

Apropos Nachlass: Nach dem Tod von Robert Preyers Witwe falle in Kürze die eine Hälfte des künstlerischen Erbes an die Kunstarche, die andere gehe an die Stadt Wiesbaden, verrät uns Felicitas Reusch. Von Preyer sind in der Schau feine Illustrationen zu sehen. Auch ein fabelhaftes Ölgemälde, auf dem Hunde eingepfercht sind – und die Katzen drumherum feixen.

Überhaupt hat die Ausstellung eine durchaus heitere Note – mal abgesehen von den blutrünstigen Szenen aus dem Schlachthaus von Felix Hamsvaar oder dem Todesvogel von Fee Kempf. Sehr lustig dagegen die Bienen, die Comiczeichner Hunz (eigentlich Hans Wirth) als Bauarbeiter hoch über der Stadt auf einem Balken drapiert – ein Zitat des berühmten Fotos „Lunch atop a skyscraper“ über New York. Ganz wunderbar auch der „Taschenzirkus“ von Peter Lörincz: die Gravur eines seiltanzenden Flohs – in einer metallenen Zigarillodose. Von Lörincz sind weitere köstliche Motive wie der possierliche „Teddyfant“ in der Schau zu sehen.

Es sind auch die ungewöhnlichen Begegnungen, die beim Besuch der Schau hängen bleiben. Wie die einer griechischen Landschildkröte mit einem Gemälde im Kunstmuseum Basel. Oder die Tier-Mensch-Konstellationen von Uta Grün, deren „Zirkusszene“ wie aus einem Traum wirkt. Schön auch die Applikationen der Fadenzeichnungen von Martina Hahn. Tiere, das werden sicher auch die vielen Besucher zeigen, die der Schau zu wünschen sind, Tiere gehen immer.

Wiesbadener Tagblatt Feuilleton 12.Juli,2017

Vom schönen Verweilen

AUSSTELLUNG Kunstarche zeigt Pflanzen in Werken Wiesbadener Maler und Holzobjejekte von Werner Eberle

Volker Milch

WIESBADEN. Gartenfreunde haben gereda viel damit zu tun den Wildwuchs zu bändigen. Der Sommer lässt es heftig Grünen und Blühen. Und manche Augenfreude ist schon am nächsten Tag verblüht. "Ein Verweile doch!" wird von den Pflanzen leider nicht gehört.

Zum Glück gibt es da die Kunst: Die Verewigung flüchtiger Schönheit  des Floralen hat sie sich schon immer gerne gewidmet. Auch in Wiesbaden, wo jetzt die Kunstarche unter dem Titel "Sie wachsen, blühen und vergehen nicht" eine reizvolle Ausstellung mit Pflanzenbildern Wiesbadener Malerinen und Maler zeigt. Dabei wird stilistisch ein breites Spektum zwischen klassischem Veilchenmotiv und abstraktem Farbenspiel abgedeckt.

Ein buntes Thema in vielen Variationen

Zu den interessantesten Variationendes des Themas gehöhrt das "Liegende Blatt mit Schatten" von Albrecht Graupner. Das Transistorische des Themas erfasst der 1996 gestorbene Künstler mit elegantem Schwung und einer Farbpalette, die das Grün auf dem Weg zum herbstlichen Braun und zum Grauschwarz des Verfalls zeigt.

Üppige Blütenpracht strahlt dagegen Renate Reiferts "Fee Amaryllis" aus, die in ihren roten Blütenkelch schauen lässt. Bürgerlich gebändigt erscheint das erotische Potential der Blumen hingegen in manchen Vasenbildern und auch in einem melancholischen Fensterbild von Arnold Gorski. Der 1935 geborene Künstler erweist sich auch in seiner Sommerblumenpracht als Virtuose der Farbe. Auch Gerda Stryi und Christa Moering sind mit reizvollen Exponaten vertreten.

Felicitas Reusch, 1.Vorsitzende der Kunstarche, hatte sich zum fünfjährigen Bestehen ihres den Nachlass hiesiger Künstler bewahrenden Vereins ein "festliches Thema" gewünscht, wie sie beim Rundgang sagt: "Blumen begleiten uns immer, wenn es intensiv wird im Leben."

Intensiv ist die Pflanzen-Ausstellung mit über 60 Expponaten allein schon in ihrer Fülle. Dabei sind Pflanzen nicht nur als Abbild, sondern wie in den Collagen von Brigitte Pega, auch als Relikt präsent. Pega arbeitet mit großen Catalpablättern im Spannungsfeld von Aquarell und Kreide. Konkret wird die Natur auch in rund 80 Holzobjekten von Werner Eberle. Sie zeigen eine enorme Bandbreite im Umgang mit diesem lebendigen Material, das zu Gefäßen gedrechselt wird, die den Blick buchstäblich in sich hineinziehen.

 

Wiesbadener Kurier 10.05.2017

Künstlerinterviews, Erinnerungen und Daten JUBILÄUM Seit fünf Jahren Kunstarche/Zuta-Erben wollen Nachlass übergeben

Von Ulrike Brandenburg

WIESBADEN Der Aufgabenbereich der Wiesbadener Kunstarche wächst immer weiter. Zu ihrem fünf jährigem Bestehen umfasst die Künstlerliste bereits 55 Namen. Sogar der Berliner Expressionist Conrad Felixmüller (1897-1977) ist genannt, dazu der früh verstorbene Vorreiter der deutschen Konzeptkunst, Peter Roehr (1944-1968), und die Generationen prägende, einem erzählenden Konstruktivismus verpflichtete Bilderbuchillustratorin Lieselotte Schwarz (1930-2003).

Mitbegründer der freien Kunstschule

Auch ein wichtiger Vertreter der unter anderem von Fritz Winter, Willi Baumeister und Max Ackermann repräsentierten so genannten Malerei der Inneren Emigration, der Wahlwiesbadener Otto Ritschl (1885-1976), zählt dazu. Darüber hinaus finden sich auch die Namen von besonders aktiv auf die Stadt bezogenen Künstlern.

Nachdem Kunstarche und Artothek bereits über einzelne Werke des Wiesbadener Malers, Verlegers, Lehrers und Galeristen Paul Zuta (1921-2008) verfügen, signalisieren die Erben nun Interesse an der Übergabe des noch unaufgearbeiteten Nachlasses. Der in Ungarn geborene Zuta, der als Mitglied der englischen Armee in Rom die Malerei für sich entdeckte, nach Kriegsende jedoch zunächst nach Israel zurückkehrte, führte bis 1995 die sehr gut besuchte Galerie Zuta im Herzen der Wiesbadener Altstadt. Paul Zuta  gilt neben Wiesbadens Ehrenbürgerin Christa Moering (1916-2013) und dem späteren Leiter Wolfgang Becker (1930-2008) als Mitbegründer der Wiesbadener Freien Kunstschule.

Bereits Anfang März war die Wiesbadener Kunstarche an der Gründung  des so genannten Bundesverbandes Künstlernachlässe (BKN), einem Zusammmenschluss von neun regionalen Künstlernachlassinitiativen, beteiligt. Das BKN-Netzwerk, zu dessen Mitgliedern etwa das von Gora Jain geleitete Forum für Künstlernachlässe in Hamburg und die Lüneburger Sparkassenstiftung zählen, hat sich die Anerkennung regionaler Künstlernachlässe inklusive Schriftgut als nationales Kulturerbe, die Einbindung von Künstlernachlässen in Lehre und Forschung und die kontinuierliche Förderung durch Bund und Länder zum Ziel gesetzt.

Die Kunstarche Wiesbaden gibt unter dem Reihenmotto "Kunstgeschichte Wiesbaden" Künstlerinterviews, Erinnerungsberichte und Datensammlungen heraus. Den Auftakt bildet das Buch "Skulpturengarten Wolf Spemann" jener Band eins der Katalogreihe enthält auch ein Interview mit dem titelgebenden Bildhauer und Initiator der Kunstarche. Es folgt der "Werkkatalog Christa Moering", die Künstlerin kam übrigens der Heirat mit dem hiesigen Abstrakten Alo Altripp (1906-1991) wegen nach Wiesbaden. Nach Band drei (Arnold Gorski: In den Kulissen) erschien 2016 das jüngste Buch "Die Werkkunstschule Wiesbaden 1949-1970: Die legendäre Talentschmiede", das Biografien und Abbildungen damaliger Schülerarbeiten umfasst. 

 

 

Wiesbadener Tagblatt Freitag 6. Mai 2017

Ästhetische Raritäten Ausstellung von Günther Stiller in der Kunstarche

von Christine Dressler

 

WIESBADEN - Rund 100 kraftvolle, poetische, sensible, gesellschaftskritische und humorvolle Zeichnungen, Aquarelle, Linol- und Holzschnitte, Monotypien, Laubsägearbeiten, Alu- und (Farb-)Lithografien, Fotografiken, Plakate und von Günther Stiller illustrierte Bücher zeigt die Kunstarche zum 90. Geburtstag des vielfach ausgezeichneten experimentierfreudigen Hamburgers. Er lebte, bis er 1964 nach Watzhahn zog, seit 1951 in Wiesbaden und begründete hier 1957 mit dem Auftrag für Kästners „Drei Männer im Schnee“ seinen Ruf als herausragendster Buchillustrator der 60er und 70er Jahre. Sie bilden auch das Herzstück der Schau.

Leihgaben bereichern die Schau

Zu mit Günther und Renate Stiller in Watzhahn ausgewählten oder im Kunstarche-Verein vorhandenen Exponaten kaufte Vorsitzende Felicitas Reusch viele der gut 30 Bücher, die Stiller illustrierte, extra für die Retrospektive: beim Stiller-Schatzhüter Wolfgang Grätz in Frankfurt und aus der Bibliothek des früheren Klingspor-Museum-Direktors bei Antiquar Helmut Lang. Dazu bereichert Verleger Hans Joachim Gelberg die Ausstellung mit Leihgaben.

„Sie bringen Glanz in unsere Hütte“, dankte Reusch bei der mit mehr als 100 Besucher überlaufenen Eröffnung Stiller unter großem Applaus für sein Werk und verriet, wem die Schau zu verdanken war: Renate Stiller wünschte sie sich zum 90. Geburtstag ihres berühmten Gatten. Für ihn sang das Publikum das „Sesamstraße“-Lied, bevor Professor Karl-Eckhard Carius das „revolutionäre“ Schaffen des „kulturellen Zeichensetzers“ gegen die Kommerzialisierung und für die Individualität in die Buchherstellung, Bildung und gesellschaftliche Entwicklung von 1900 bis heute einordnete.

Carius, der an Wiesbadens Werkkunstschule studierte und in Vechta emeritierte, schilderte und belegte in seinem reich bebilderten Vortrag die „erstaunliche Vielfalt“ und das „sehr breite Spektrum“ an gängigen sowie experimentellen Techniken und Ausdrucksformen in Stillers Arbeiten. Ihre Bedeutung für die Zukunft beweise die Besonderheit, dass seine „ästhetischen Raritäten“ schon zu Lebzeiten des Künstlers „museal“ wurden. „Der Stiller ist kein Stiller“, zitierte Carius Peter Härtling. An freien Arbeiten und Dutzenden Beispielen von Illustrationen für unterschiedlichste Kinder-, Lieder- und Lyriksammlungen oder Autoren wie Gogol, Andersen, Rimbaud, Schlegel, Verlain, Guggenmoos und Weiss schilderte Carius die extreme Spannweite der Schau. Dabei verdeutlichte er im Vergleich zu vor, parallel und nach Stiller Entstandenem anderer Künstler bis hin zur heute üblichen Gestaltung, Vermarktung, Digitalisierung und Rezeption von Literatur, wie „Stillers Kunst die Gestaltung gleichbedeutend mit dem Inhalt“ und das Buch zum „multimedialen Ereignis“ machte

 

 "Das rote Haus in der kleinen Stadt" gibt einen Einblick in die Bildsprache des Künstlers Günther Stiller
Foto Patrick Baeuml
 

 

Wiesbadener Tagblatt Kultur 15.03.2017

Am liebsten bunt

KUNSTARCHE Ausstellung der Malerei von Peter Wolf

von Ulrike Brandenburg

Wiesbaden. "Bunt ist meine Liebelingsfarbe" - dieses auf den Goetheschen Farbkreis verweisende Walter-Gropius-Zitat steht mottogebend über der gegenwärtigen Schau von Arbeiten Peter Wolfs in der Kunstarche. Insgesamt hat Wolf die bereits am Bauhaus gelehrten Quälitätsansprüche an die ungengeständliche Malerei  verinnerlicht und umgesetzt - ausbalanciert sind alle Farb- und Formelemente, so wird das Auge durch die Komposition geführt, ohne dass einzelne Bildpartien völlig aus dem Fokus geraten. Den Flow der Wahrnehmung hergestellt zu haben, ist also gelungene Qualitätsicherung - und wenn Farben, wie im Falle Peter Wolfs, Binnenvariationen erfahren, dann steigert das die Komplexität der Gesamtwirkung und damit auch die Güte der Bilder. Auch formal vollendet also sind sämtliche Arbeiten des Malers - der durchaus Bild-Reihen, wenn auch nur bedingt Bild-Serien erschafft.

Immer wieder leuchtendes Pink.

Dann aber folgt Wolf eigenen Farbideen und nimmt sich künstlerische Freiheiten, die unter strengen Adepten der klassischen Weimarer Lehre durchaus verpönt sind. Peter Wolf lässt sich nicht nur die Farben des Himmels, lässt Türkis, Nachtblau, Feuerrot und Warmgelb fluten, sondern verwendet immer wieder ein leuchtendes Pink und damit jene im 20. Jahrhundert neu auftauchende Farbe, deren Energie den deutschen Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner so berauschte, dass er Teile seines Frühwerks übermalte. Wolf, der unter anderem bei Malern im Hamburger Raum studierte, und dessen ebenfalls einsehbare Skizzenbücher virtuose Zeichnungen und Meeres- Aquarelle zeigen, taucht winzige rote Backteinhäuser auf grüner Hallig in dynamische, geradezu norlichternde und fast losgelöste Farbschleier. Mit Nolde verbindet den seit zehn Jahren in Wiesbadener lebenden Künstler und Neumitglied der Kunstarche sichtbar die Erfahrung, dass der HImmel in Norddeutschland höher ist als anderswo. Das eigendliche Thema Wolfs scheint die Erschaffung eines bühnenähnlichen Raums zu sein, in welchem Farben als Aktuere auftreten - diese Grundidee charakterisieren auch des Künstlers Portraits von Ikonen der Zeitgeschichte. Einen Teil dieser Serie hat der Maler übrigens im lichterfüllten Grisaille-Stil gestaltet. Dazu passt auch, dass er die künstlerische Nichtfarbe Weiß im Sinne einer angedeuteten metaphysischen Perspektive in seine Landschaftsprospekte integriert. Wolf malt seit seiner Gymansialzeit, und das kontinuierlich - Kunst schaffend in Parallele und in der Folge seiner Karriere als Personalmanager einer deutschen Großbank und oft eben auch, zum Leidwesen seiner Frau, wie Wolf zerknirscht zugibt, Im Urlaub.

Peter Wolf, Häuser auf der Hallig, 2013

 

 

 

 

Wiesbadener Kurier Kultur 14.Dezember 2016

Legendäre Talentschmiede AUSSTELLUNG Die Kunstarche blättert die Geschichte der Werkkunstschule auf

Von Birgitta Lamparth

WIESBADEN - Sie hat zwei Generationen von Künstlern im bildenden und angewandten Bereich

 

geprägt: Die Wiesbadener Werkkunstschule wirkte zwischen 1949 und 1970 nachhaltig. Im heutigen

Kunsthaus auf dem Schulberg wurde eine ebenso vielseitige wie intensive Ausbildung gepflegt, die bis heute mit einem Namen untrennbar verbunden ist: Vincent Weber, der ebenso charismatische wie kompromisslose Maler, leitete die Schule von 1954 bis 1965.

Aber nicht nur ihm, sondern auch seinen Dozentenkollegen setzt eine Ausstellung in der Kunstarche ein Denkmal. Die Geschichte der legendären Talentschmiede wird hier aufgeblättert – von der Grundlehre bis zu „fertigen“ Künstlern.

Lauter Exponate von Ehemaligen

Farben anlegen, geometrisch-rhythmische Übungen, Bildanalysen: So waren die Anfänge, wie man hier in Beispielen sehen kann, allesamt Exponate von Ehemaligen. Im Grundsatz blieben diese immer identisch. Und im Fortgang entwickelten sich mit einer fächerübergreifenden Ausbildung die individuellen Talente weiter, die sich in rund 250 verschiedenen Berufsbildern wiederfanden.

So konnte auch Vincent Weber Spuren in der angewandten Kunst hinterlassen. Mit ihm kam das „Overstolz“-Rot in die Schulprogramme, eine Ableitung seines Farbtons für die Zigarettenmarke.

Charakteristisch für die Ausbildung an der Werkkunstschule Wiesbaden war aber auch der dezidierte Unterricht in der Schrift. Hier gibt es zahlreiche Beispiele des Schriftkünstlers Gottfried Pott, der seine Kalligrafie immer mehr verfeinerte. Dann die Buch-Illustrationen, zu denen es ebenfalls zahlreiche Beispiele gibt. Einige wenige zur Metallbildhauerei: Die Klasse wurde 1961 geschlossen. Die Bildhauerei hingegen hatte mit Erich Kuhn und später Erwin Schutzbach prägende Lehrer. Die Abteilung Architektur wurde über all die Jahre von Gerhard Schammer geführt. Keramikabteilung, Innenarchitektur mit perspektivischen Arbeiten mit dem Raum, Fotografie, Modedesign: Die Werkkunstschule war in jeder Hinsicht breit aufgestellt.

Welche Früchte sie trug, wird bei Arbeiten von arrivierten Künstlern wie Thomas Duttenhoefer, Arno Gorski oder Istvan Szasz deutlich. Und natürlich Wolf Spemann, von dem das Vorwort für den sehr gelungenen Katalog stammt und der den fließenden Übergang von Handwerk und Kunst, der in der ehemaligen DDR noch so unterrichtet wurde, nach der Wiedervereinigung vermisst. Bundesweit wurden die Werkkunstschulen in Fachhochschulen umgewandelt. „Der hier vorliegende Band möchte einen Denkanstoß geben, die Problematik neu zu durchdenken,“ so der Wiesbadener Bildhauer. Sicher ein guter Ansatz für eine Diskussion mit und an der Hochschule Rhein-Main.

 

 Frankfurter Allgemeine Zeitung 13.Dezember 2016 

"Handschmeichler aus Holz und gemalter Waschtisch" : Schau zur Geschichte der Werkkunstschule Wiesbaden

Kaum zu glauben, aber auch Peter Roehr hat einmal ganz brav seine Hausaufgaben gemacht und mit dem Kohlestift das Helldunkel eines düster romatischen Waldstücks zu Papier gebracht. Nur die leuchtend blaue, in selbstbewußten Versalien schwungvoll daruntergestzte Signatur scheint schon anzukündigen dass der spätere Wegbereiter des Minimalismus bald aus dem akademischen Kanon ausscheren sollte. Roehr hat das Blatt um 1962 an der Werkkunstschule Wiesbaden (wks) hergestellt, wo er die Malerei Klasse von Vincent Weber besuchte. Jetzt gehört es zur Austellung in den etwas abgelegenen Räumen des Wiesbadener Nachlassarchivs "Kunstarche", die die wks-Geschichte illustriert und damit eine Instution auferstehen lässt.

In dem Backsteingebäude auf dem Schulberg, das inzwischen als eine Art kummunale Galerie und Atelierhaus dient, wurden von 1949-1970 junge Gestalter in Illustration, Malerei, Schrift und Grafik, (Metall-) Bildhauerei, Innenarchitektur, Keramik, Mode und Fotografie ausgebildet. Insgesamt 150 Ausstellungstücke, zu denen neben Leihgaben der Ehemaligen auch Werke aus der Nachlass-Sammlung der Kunstarche gehören, fügen sich zu mehr als nur einem nostaltigischen Rückblick.

Ein nach Fächern und Klassen geliederter Rundgang führt zunächst vor Augen, wie gut namhafte Lehrer wie Oskar Kolb, Heiner Rothfuchs oder eben Vincent Weber ihre Schützlinge auf den Beruf vorbereitetet haben. Davon zeugen unter anderem Plakate, Buchumschläge, Metallreliefs, Stoffdesigns, Vasen, Firmensignets oder freie Arbeiten und sogar kalligraphische, naturillustrative und farbanalytische Fingerübungen der Grundlehre, die durch eine oft weit über Schülerarbeiten hinausgehende Reife beeindrucken. Oft haben es deren Schüler zu Ruhm gebracht.

Dieter Rams zum Beispiel, der auf dem Wiesbadener Schulberg Innenarchiktetur studierte, bevor er als oberster Formgeber des für seine wegweisende Ästhetik bekannten Elektroherstellers Braun reüssierte. Leider erfährt man nicht, ob er auch als Werkkunstschüler schon Ausnahmequalitäten an den Tag legte. Eines seiner Frühwerke, das die Schau zusätzlich hätte adeln können, fehlt. Unterdessen die Zeichnungen eines Waschtisches die Renate Sautermeister 1957 in der Illustrationsklasse Heiner Rothfuchs schuf, dass ihr Sujet schon früh in ihr angelegt war: Interieurs und Möbelstücke, die als Metaphern für die seelische Innenausstattung gedeutet werden müssen, ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Schaffensphasen der Frankfurter Künstlerin (1937-2012).  Das von Pop-Art beeinflusste Werk ihres späteren Mannes Nikolaus Jungwirth hingegen sollte im Ausdruck nicht so streng sein wie das Selbstpoträt des 22 Jahre alten Schülers.

Zu den Vertretern der nächsten wks-Generation gehört Karl-Eckard Carius, den einstige Schüler des Wiesbadener Dillthey-Gymansiums noch in guter Erinnerung als Kunstlehrer haben und der heute in Vechta lehrt. Er war 24 Jahre alt, als in der Bildhauer-Klasse von Erwin Schutzbach hölzerne Holzschmeichler entstanden, deren Größe und souveräne Form bestimmt sind durch mehrere kleinere, in der Summe damit übertreffende Einzelteile.

Zur Austellung ist im Reichert Verlag ein Buch erschienen, das die neben den gestalterischen Werken präsentierten Zeitungsausschnitte, Zeugnisse, Fotos und andere Dokumente zusäztlich anreichert mit historisch einordnenden Aufsätzen und Errinnerungen einiger Ehemaliger an Studienfahrten nach Colmar zum Isenheimer Altar. Die ehemaligen Karnevalsfeste der Werkkunstschüler schließlich genießen bis heute einen legedären Ruf, dass sie den Herausgebern ein eigenes Kapitel wert waren.

1971 lösten Fachhochschulen auch anderswo in Deutschland die Werkkunstschulen ab. Die im Geist des Bauhauses wurzelnde Idee, der Einheit von Handwerk und Kunst, die dort buchstäblich Gestalt annahm, bleibt beispielhaft.                          

                                                                                                                         Katinka Fischer

 

Fachzeitschrift "Naturstein"  12/16 Statement des ehemaligen Werkkunstschülers Wolf Spemann 

 

 

 

 

 

Wiesbadener Tagblatt Kultur 25.Juni 2016

Von Birgitta Lamparth

70 JAHRE HESSEN Werner Kump und seine Gestaltung des Wappentiers an der legendären Werkkunstschule

WIESBADEN - Er ist nicht blau, sondern rot-weiß gestreift: Der hessische Löwe, der jetzt zum 70. Geburtstag des Bundeslands im Blickpunkt steht, wurde auch von den Professoren der damals legendären Werkkunstschule zum Motiv erklärt. Werner Kump, Leiter der Fachabteilung Metallbildhauerei, hat ihn eindrucksvoll gestaltet. Auf seine Arbeiten ist Felicitas Reusch von der Kunstarche gestoßen: Sie bereitet für November eine Ausstellung über die Werkkunstschule vor.

„Es handelt sich immer um den steigenden Löwen im Profil mit ausgeschlagener Zunge, der Schweif variiert vom dreifachen Schweif bis zum Schwanz mit Quaste“, so Felicitas Reusch über die Löwen von Kump, der mit der Gründung der Wiesbadener Werkkunstschule 1949 eingestellt wurde und bis 1961 Leiter der Metallbildhauerei blieb. Seine Löwen seien männlich gewesen und nicht geschlechtslos, so Reusch, die auch in Kumps Versionen im Innenministerium Symbole sieht für „männliche Ernsthaftigkeit“, für „Abwehr und Verteidigung“. Diese Löwen seien von jemandem gestaltet worden, der zwei Weltkriege erlebt hat: „Dieser drahtige Löwe ist kein Kuscheltier.“ Sein Entwurf war erstmals 1949 in einer Ausstellung der damals noch „Werk+Kunst Schule“ geschriebenen Ausbildungsstätte zu sehen – mit einem von Johannes Boehland entworfenen Plakat. Boehland war damals Leiter der Fachabteilung Grafik.

Damals lag die „Leitung der Anstalt in den Händen eines Kuratoriums, das sich aus Mitgliedern des Hessischen Kultusministeriums, der Industrie sowie aus Vertretern der Kammern und der Verlegerschaft zusammensetzt“, so in der Ankündigung 1949.

Kumpf, 1896 in Köln geboren und 1989 in Bad Schwalbach gestorben, hat auch in anderen führenden hessischen Institutionen seine Spuren hinterlassen: Sein Metallrelief „Die Welt in Zahlen“ zeigt im Statistischen Bundesamt seine klare Linienführung und gibt den Zeitgeschmack wieder. An ihn und seine kreativen Mitstreiter der Werkkunstschule wird eine Ausstellung in der Kunstarche erinnern, die am 13. November eröffnet wird und eine Lücke schließen soll. In Kooperation mit dem Stadtarchiv wird die Talentschmiede endlich ins rechte Licht gerückt. „Es wäre traumhaft, wenn auch die Hochschule Rhein-Main mitmachen würde“, wünscht sich Felicitas Reusch. Die Handwerkskammer konnte sie bisher leider noch nicht zu einer Kooperation bewegen.

Wiesbadener Kurier Kultur 10.6.2016

„Unter südlichem Einfluss“ KUNSTARCHE Ausstellung „Spanien“ mit Werken Wiesbadener Künstler

Von Brigitta Lamparth

WIESBADEN. Spanien – für viele nach wie vor ein sonnenverwöhntes Sehnsuchtsland.

Auch für Wiesbadener Künstler: Viele suchten und fanden unter dem südlichen Licht ihre speziellen Farben. Eine Auswahl dieser Arbeiten zeigt jetzt die Kunstarche in der aktuellen Schau „Spanien“. Ausgangspunkt war nicht nur der Wunsch nach einer Sommerschau, sondern die Tatsache dass die Kunstarche (beim Stadtarchiv, Im Rad 42) den gesamten Nachlass von KH Buch übernommen hat. Er hatte eine Ferienwohnung Guardamar del Segura – und kehrte zurück mit Inspirationen für verlassene Dörfer und einsame Buchten.

Seine oft reliefhaft aufgewühlten Oberflächen entstanden durch Sand- und Textilbeigaben, charakteristisch für die „Gruppe Real“.

Kritik an einer düsteren spanischen Tradition formulierte Felix Hamsvaar in den 80ern mit seinen engagierten Bildern über die Corrida, malerisch exquisit, mit ungewöhnlichen Kompositionen. Spanische Häuserfassaden und Vegetationen sind von Erika Kohlhöfer-Hammesfahr zu sehen. In Tusche bannt István Szász die Costa Brava auf Papier, und Renate von Christens feine Beobachtungen des bäuerlichen Lebens fügen eine naive Note bei. Eine Tonplastik von ihr bezieht sich auf Garcia Lorca.

Eine für sie ganz typische Prozession auf Ibiza ist von Christa Moering zu sehen. Fast karikaturesk eine pfiffige "Frau mit Fächer" von Heiner Rothfuchs.

Wunderbar ausgeruhte Blätter findet man in der Schau auch von Peter Lörincz: Seine Radierungen zum Thema „Goya in Zaragossa“ mit Architekturzitaten sind ungeheuer präzise, geistreich, und technisch bravourös.

 

Rhein-Main-Presse Mittwoch,3.Februar 2016

Visuelle Poesie mit der Feder

KUNSTARCHE Ausstellung von Gottfried Pott

Von Brigitta Lamparth

Wiesbaden. Malerei und Schrift – in der chinesischen Kulturgibt es für beides den identischen Begriff. Ein Symbol dafür, dass beides die gleichen Wurzeln hat. Kein Wunder also das sich viele der Arbeiten des Wiesbadener Schriftkünstlers Gottfried Pott auf große chinesische Denker beziehen. Auf den Zenmeister Zhao Mengfu beispielsweise  geht dieses Zitat zurück: „Wenn die Dichtung des Herzens die Gefühle nicht mehr ausdrücken fließen sie in der Kalligraphie über und verwandeln sich in Bilder."  Und in Kalligraphie hat Pott diese Worte verwandelt.

70 Arbeiten

Worte, die wie viele der rund siebzig Arbeiten, die zurzeit in der Kunstarche ( Im Rad 42 ) zu sehen sind, von der Ferne oft wie reine Kunst erscheinen und erst in der Nähe ihren reinen Schrift-Sinn erkennen lassen. Die Herangehensweise des 1939 in Lahnstein geborenen Künstlers, der 1959 bis 1963 an der legendären Werkkunstschule studiert hat und nun seit fünfzig Jahren hier lebt, ist ähnlich: Mal ist es der Inhalt, die Bedeutung von Worten, die ihn zu einer bestimmten Umsetzung führen, mal ist es umgekehrt.

Materialgerechtigkeit, das sei etwas, was er für sein lebenslanges Wirken an der Werkkunstschule bereits gelernt habe, sagt Pott, der sein umfangreiches kalligraphisches Wissen von 1988 bis 2003 als Professor an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim und bei Workshops und Fachvorträgen weltweit weitergegeben hat.

Die in der Kunstarche gezeigten Arbeiten stammen aus den Jahren 2014 und 2015 und sind in einem schönen Band des Mainzer Verlags Hermann Schmidt erläutert – Quasi ein Katalog.

Zur sehenswerten Schau. Sie zeigt die ganze Vielfalt der Möglichkeiten des Alphabets – Vielfalt auch ganz wörtlich mit dreidimensionalen Arbeiten, in denen der Raum zwischen den Buchstaben größer wird. Die Kunst mit der Feder – Pott beherrscht sie meisterlich. Auch die Antiqua, die für ihn die Kür des Schreibens bedeutet. Am besten arbeite er, wenn er den Text auswendig könne:“ Sonst ist der Fluss weg“, sagt Pott, der Zitate von Paul Standard ebenso mit seiner Arbeit zur visuellen Poesie formt und auch hinterleuchtet wie die Weisheiten von Nikolaus von Kues. Sein Leitthema aber stammt von Apelles : „Kein Tag ohne Linie."

Wiesbadener Tagblatt 16.01.2016 Im Porträt

Mit intimer Kenntnis

Arnold Gorski Vom Schauspieler zum Maler- ein Bilderband "In den Kulissen"

von Brigitta Lamparth

WIESBADEN Gemeinsam mit Wolf Spemann und Johannes Ludwig ist Arnold Gorski Gründungsmitglied der "Wiesbadener Kunstarche". Längst ist dieser von Felicitas Reusch betreute Ort neben dem Stadtarchiv, dem Künstler ihre Nachlässe anvertrauen, auch zu einem attraktiven Ausstellungsraum geworden. Dort wird nun auch an diesem Sonntag ein Buch vorgestellt, das die Kunstarche in der Reihe "Kunstgeschichte Wiesbaden" im Reichert Verlag herausgibt.

Der Titel lautet "In den Kulissen" und zu sehen sind darin 57 der aquarellierten Kohlezeichnungen, zu denen Gorski bei vielen Besuchen hinter der Bühne des Theaters inspiriert wurde. Ein Buch, das eng mit der Biografie des Malers verknüpft ist. Was viele nicht wissen: Gorski hatte nach seinem Abschluss an der Werkkunstschule Wiesbaden auch eine Ausbildung als Schauspieler in München absolviert und sein Abschlussexamen vor dem Deutschen Bühnenverein abgelegt. Er war an Bühnen in München und in Düsseldorf engagiert bevor er 1964 zur Malerei zurückkehrte. Seine Bilder haben diese intime Kenntnis vom Warten neben der Bühne auf den großen Auftritt. 

 

 

 

Wiesbadener Kurier 23.11.2015 Kultur

Ein Maler, der sich an Literatur orientiert

Kunstarche Retrospektive von Gründungsmitglied Arnold Gorski / Fast surreal wirkende Licht- und Luftwerte

Von Ulrike Brandenburg

WIESBADEN - „Arnold Gorski – Retrospektive“ lautet das schlicht formulierte Motto der aktuellen Ausstellung der Kunstarche. Wer als Hiesiger „Malerei und Zeichnung aus fünf Jahrzehnten“ in solcher Qualität vorzuweisen hat, ist Teil von Wiesbadens Kunstgeschichte. 1955 bis 1959 studierte Gorski an der Werkkunstschule und kam so mit den Grundlagen der unter anderem von Vincent Weber und Oskar Kolb vermittelten Bauhauslehre in Berührung.

Ohne die Farb- und Formgesetze etwa eines Johannes Itten wäre das Gorskische Werk in der Tat nicht denkbar – verstehbar allerdings ist es auch nicht ohne den Aspekt der Literarizität, der allen Gemälden Gorskis, des bildenden Künstlers und ausgebildeten Schauspielers, zugrunde liegt. Die Orientierung am Poetischen ist diesem Maler Grundantrieb, und so haben alle formal ungegenständlichen Bilder einen Naturbezug, der sich im Titel ebenso manifestiert wie in der Form- und Farbgebung, die oft noch verfremdete, sprich ins Geistige gesteigerte Elemente des Landschaftlichen erkennen lässt. „Blätter fallen, fallen wie von weit“ – Rilke verleiht in seinem berühmten Herbstgedicht der Natur Magie; wenn sich im Gorskischen Ölgemälde Goldflocken vor schwarz-grauem Grund ballen, entsteht ein vergleichbarer Effekt.

Gorski bleibt fast immer bei einer Farbentscheidung, einem Grundton, aus dessen konsequenter Abmischung mit der komplementären Farbe dann eine Vielfalt von Grautönen entsteht – diese harmonisieren nicht nur die bildimmanenten farblichen Kontrapositionen, sondern erzeugen auch quasi-naturalistische und damit fast surreal wirkende Licht- und Luftwerte.

Postimpressionistische Pixel

Das amorphe Quadrat ist malerisches Basiselement, das in dem Moment, in dem sich die landschaftliche Anmutung konkretisiert, fast als postimpressionistische Pixel-Einheit benannt werden könnte. De facto ermöglicht diese Grundstruktur die Verdichtung des Gesehenen in allen nur denkbaren farblichen Feinabstufungen. Wie viel stupendes auch handwerkliches Können hinter Arnold Gorskis Kunst steht, wird auch in den großformatigen Bleistiftzeichnungen von fast altmeisterlicher Qualität deutlich. Und auch hier wird der scheinbar offenbare Diskurs unterlaufen. Jenseits von Weltverklärung und Umweltkritik ist es letztlich die Lichtspiegelung im vereisten Asphalt der Landstraße, die den Bildfokus bestimmt und die Bildbedeutung ins Unendliche öffnet. Das ist ganz einfach spannend – wie wunderbar, dass Gorski weiter malt. Die 80 merkt man ihm nicht an.

Nahezu altmeisterlich in ihrer Akuratesse : Auch die großformatigen Bleistiftzeichnungen des 80-jährigen Arnold Gorski sind ganz große Kunst. "Pflaumenblüte" Bleistiftzeichnung, 1975

 

Arnold Gorski "Blätterfall" Öl auf Leinwand,1998

 

 

 

 

Wiesbadener Tagblatt 31.07.2015

Werke, die das Leben feiern

KUNSTARCHE Wolf Spemann zeigt Skulpturen, Johannes Ludwig Aquarelle

Von Ulrike Brandenburg

WIESBADEN - In der aktuellen Ausstellung der Wiesbadener Kunstarche werden Werke gezeigt, die das Leben feiern – und auch dann noch in der ästhetischen Balance bleiben, wenn die kritische Botschaft, etwa die Kritik an der Umweltzerstörung, Gegenstand der visuellen Erzählung ist.

Klassische Moderne

Die gezeigten Skulpturen, Kleinplastiken und Objekte hat der Grandseigneur der Wiesbadener Kunstszene, Wolf Spemann, die Aquarelle der nicht minder renommierte Professorenkollege Johannes Ludwig beigetragen. Beide Künstler entstammen einer Generation, die der Formensprache der Klassischen Moderne verpflichtet ist.

Worum aber geht es in dieser Schau? Eigentlich um nichts weniger als um die Werte des Abendlands. Das Formschema der Tunis-Reise, sprich, die kubistische Darstellung der Mittelmeerlandschaft durch Paul Klee und August Macke, nutzt Ludwig zur Entwicklung von sich in virtuos beherrschter Aquarelltechnik entfaltenden Lichtkristallen. Die prismatische Grundstruktur mit der Tendenz zu Abstraktheit und Aussparung erscheint als Abbild des geistigen und des lebensstiftenden Gehalts der Schöpfung. Ist der Kontakt zur Sinnrepräsentanz der Welt, sprich, der Respekt vor der die Einheit des Lebens stiftenden Kraft verloren, so ist diese selbst gefährdet.

Mittelmeer-Optik als konkretes inhaltliches Anliegen: Ludwigs Tunis-Formel symbolisiert die kulturelle Wurzel Europas in Antike und Christentum. Die geometrisierten Binnenstrukturen der lichterfüllten Landschaften verweisen auf die von Euklid bis Leibniz in der Mathematik- und Philosophiegeschichte präsente Monadenlehre von der kleinsten Sinneinheit.

Politischer Aktivist

Die Formensprache der Archaik nutzt Wolf Spemann. In seinen Bronzen erscheinen Gender-Symbole als Garanten einer universellen Balance. Ganz konkret widmet sich Spemann in seinen in erfreulich großer Zahl präsenten Bronzeplastiken zumeist dem Thema des (Welten-)Rads, dessen genderdefinierte, bipolare Kraftpole den Lauf des Lebens garantieren – in konkreter Verantwortung für die Schöpfung.

Vor 10 000 Jahren entstand die erste menschliche Hochkultur, Europa blickt auf 2000 Jahre Kulturgeschichte zurück. Nur 200 Jahre Industriegeschichte veränderten das Antlitz der Welt. Und so ist es nur folgerichtig, dass die aktuelle Ausstellung in der Kunstarche auch den politischen Aktivisten Spemann zeigt, der, gleichsam dadaistisch das Readymade nutzend, gegen Umweltverschmutzung und Atomkraft protestiert. Und gegen den Dauerkonflikt im Nahen Osten, als dessen Symbol Spemann die Christrose aus Stacheldraht erfand.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Kultur vor Ort 18.04.2015

Werkverzeichnis von Christa Moering in Wiesbaden

Von Birgitta Lamparth

WIESBADEN - Fast zehn Jahre hat Petra von Breitenbach an dem 574 Seiten starken Werkkatalog gearbeitet. Aber auch die Künstlerin mit dem profunden Wissen über ihre Freundin Christa Moering erlebte dabei noch Überraschungen: Als eine der beiden Leihgaben des Landesmuseums – „Das Mädchen mit der Zipfelmütze“ aus dem Jahr 1949 – für den Katalog fotografiert wurde, entdeckte man auf der Rückseite noch ein zweites Bild, ein Stillleben. Ähnliches fand man vor Jahren auf der Rückseite von Jawlenskys Gemälde „Nikita“.

An solchen und anderen Überraschungen im Werk der 2013 gestorbenen Wiesbadener Ehrenbürgerin kann man jetzt teilhaben: Freitagabend wurde der Band „Christa Moering. Ein Leben für die Malerei“ in der Kunstarche (Im Rad 42) vorgestellt. Flankierend dazu ist dort auch eine Ausstellung eröffnet worden, die mit dem Verkauf gestifteter Arbeiten helfen soll, das Werkverzeichnis zu finanzieren.

Die Wiesbadener Verlegerin Ursula Reichert hat eine besondere Bindung an das Projekt: Ihre Mutter war die Ärztin Christa Moerings, „sie hat mich als Kind gemalt“. Eines von insgesamt über 1000 Werken, die Christa Moering im Laufe ihres langen Lebens geschaffen hat. Schon 1946 hatte sie ihre erste Ausstellung in Baden-Baden, der unzählige folgen sollten. Dennoch, die 1916 geborene Künstlerin hielt „von ihrer eigenen Kunst nie viel“, so Petra von Breitenbach. Die Grafik-Designerin begann mit dem Projekt schon zu Lebzeiten Moerings, als 2006 aus Anlass einer Ausstellung zum 90. Geburtstag im Stadtmuseum bereits Arbeiten fotografisch erfasst werden sollten. Als dann zur Benennung des „Christa-Moering-Platzes“ im Europaviertel 15 000 Euro „ins Haus flatterten“, war der Grundstock für das Buchprojekt gelegt. Dabei ging Petra von Breitenbach äußerst akribisch vor und listet nun im Werkkatalog, zu dem Reinhard Zimmermann das kenntnisreiche Vorwort geschrieben hat, penibel die Werke auf – auch jene, die sie nach den Aufrufen auch in dieser Zeitung bei 60 Sammlern aus der Region fotografieren durfte. Eine Systematik, die sich nicht immer mit der Christa Moerings deckt: Zu einzelnen Arbeiten schuf die Malerin 20, 30 Jahre später ein ganz ähnliches Motiv. „Vielleicht durch Aufträge veranlasst“, vermutet Petra von Breitenbach hinter diesen Sprüngen im Werk. Eingebettet ist es im Leben der Künstlerin: Fünf Tagebücher, die sie zwischen 1944 und 1956 geschrieben hat, wurden erfasst und vermitteln nun im Katalog auch ein Bild vom Denken der Malerin in einer bewegten Zeit.

In der von Felicitas Reusch klug kuratierten Schau ruhen die Originale in Vitrinen. Insgesamt 27 Arbeiten beleuchten in der Kunstarche Christa Moerings Schaffen: von Landschaften in überraschendem Schwarz-Weiß bis zu den Pastellen in den für sie typischen starken Farbklängen in strömenden Bäumen und fließenden Hügeln. Auch hier gibt es das oft: das (Seelen-)Bild hinter dem Bild.


 

Wiesbadener Tagblatt

Kultur vor Ort 18.02.2015 von Brigitta Lamparth

Kunstarche zeigt die Ausstellung „Die Welt ist Farbe II“

Ein Meister der Farbe: Auf Vincent Weber – hier seine Arbeit „Tramonto“ – trifft man auf die eine oder andere Weise immer wieder in der Schau. Er war auch als Lehrer prägend.<br /> <br /> <br /> <br /> <br /> 	Foto: Kunstarche

Ein Meister der Farbe: Auf Vincent Weber - hier seine Arbeit "Tramonto" -trifft man auf eine oder andere Weise immer wieder in der Schau. Er war auch als Lehrer prägend. Foto: Kunstarche

WIESBADEN - Was für Farben: Der Besucher der Wiesbadener Kunstarche (Im Rad 42) kann derzeit förmlich eintauchen in leuchtendes Kolorit. Mit dem zweiten Teil des 2014 erstmals mit abstrakten Farbwelten umgesetzten Ausstellungsthemas „Die Welt der Farbe“ liefert die aktuelle Schau jene, die sich noch auf Gegenständliches beziehen. Und sei es auch nur von Ferne.

„Ich nehme den Gegenstand als Mittel zum Zweck, um die Farben sprechen zu lassen“, sagt beispielsweise Bettina Gelhard-Reeh. Sie hat den zweiten Teil der Ausstellung organisiert – und schafft dabei viele Querbezüge: „Ausgehend von Hölzel als Urvater gibt es hier ein enges Geflecht.“ Zahlreiche Schüler-Lehrer-Verhältnisse lassen sich auch in den Arbeiten ablesen, die dennoch autark für sich stehen können. Und: Die meisten der Schüler hatten ein besonderes Faible fürs südliche Licht.

Bettina Gelhard-Reeh hat fünf Jahre in Kalifornien gelebt. Ihre an der Grenze zur Abstraktion stehenden Bilder mit ihren starken, gut ausbalancierten Farben lassen das von Ferne anklingen.

Helmut Bernhards eigenwillige Arbeiten erzählen in ihren an den Formenreichtum südamerikanischer Kulturen erinnernden Chiffren von seinem Leben in Peru. Vincent Weber, für viele der hier repräsentierten Maler eine Vaterfigur, hat sich vorzugsweise von der Sonne Italiens inspirieren lassen. In Uwe Städtlers flächigen, gewagten, dabei traumwandlerisch sicheren Farbklängen kann man das Licht Andalusiens erahnen. Und in den Bildern von Robert Preyer, jenen so delikat und elegant geschichteten Dekors, bei denen man sofort an Matisse denkt, wirken noch seine Impressionen von Griechenland nach.

Was davon in der nächsten Maler-Generation weiter Bestand hat, sieht man exemplarisch an Heidi Bastians neuen Werken: Die Preyer-Schülerin greift auf ihre ganz eigene Weise das Spiel mit dem Vor und Dahinter auf und formuliert daraus einen originären Bildkosmos mit viel räumlicher Tiefe. Als Solitär kommt auch Michael Apitz in diese Runde: Die großformatigen Rhein-Landschaften dieses begabten Malers zählen aber unbedingt dazu – sicher changierend zwischen Durchgestaltung und freiem Spiel der Farbe. Heinz Rudi Müllers fein abgestufte Kompositionen, Brigitte Zanders expressionistisch geprägte Landschaften, Roland Winklers kristalline Landschafts-Architektur – es gibt viel zu entdecken in dieser Schau, mit der die Kunstarche sich einmal mehr als beachtenswerter Ausstellungsort auch über Wiesbaden hinaus empfiehlt. Natürlich dürfen auch Werke der Wiesbadener Ehrenbürgerin Christa Moering hier nicht fehlen. Ihr und ihrem Oeuvre gilt das nächste Augenmerk der Kunstarche: Am 17. April um 19 Uhr wird hier ihr Werkverzeichnis vorgestellt.Ort

 

 

Wiesbadener Kurier 03.02.2015

Anne Esser Gemälde und Willi Schmidt Skulpturen in der Kunstarche

Von Christine Dressler

WIESBADEN - Mit 88 ist Anne Esser jetzt ein Jahr älter als Willi Schmidt es bei seinem Tod 2011 war. Gerade weil beider Arbeiten unterschiedlicher nicht sein könnten, korrespondieren sie perfekt miteinander. Erstmals belegt das der „Dialog konträrer Welten“ in der Kunstarche mit 26 Gemälden und farbigen Radierungen Essers, vor denen sich 19 Plastiken und Skulpturen Schmidts gruppieren. Natürlich deutlich kleiner als seine Ehrenmale in der weiten Region oder seine Große Liegende auf der Frankfurter Fressgasse entstanden sie zwischen 1976 und 2006.

Lebensbejahend

Sie spiegeln wider, wie der zeitlebens der Gegenständlichkeit verpflichtete Steinbildhauer aus Oberfranken, der an der Frankfurter Städelschule studierte und lehrte, neben Radierungen und Holzschnitten, bis zuletzt lebensbejahend, liebevoll Tiere wie Taube oder Stier und vor allem den Menschen ob als Mann, Frau oder Kind, junges oder älteres Paar und in Rollen wie als Tänzerin, König oder Priester in Stein, Bronze, Ton und Holz immer wieder neu schuf.

Besonders in ihrem Spätwerk blickt die Wiesbadener Malerin, die dem BBK wie der Gruppe 50 angehört und über Jahrzehnte zahllose Schüler in Kursen für verschiedene Bildungsträger unterrichtete, dagegen bereits ins Jenseits. Davon zeugen der „Engel“ von 2005 und die sieben Gemälde im Kabinett, die Esser bis 2012 malte. Lichtdurchflutet und von Blau- und Brauntönen in fein abgestuften Schattierungen dominiert, verschmelzen die Abstraktionen, die horizontal gegliederten Landschaften ähneln, Erde und Himmel.

Zugleich führen Essers zunehmend informelle und lyrisch abstrakte Unikate, die meist ohne Titel Assoziationen freien Raum lassen, im Rundgang durch die Entwicklung der westdeutschen Malerei von 1954 bis in die 2000er Jahre. In Gegensatz und Wechselspiel vereinen ihre in Geistiges und Fantasie aufgelösten Formen und seine in der Farbgebung ebenso sensibel austarierten, gewichtigen und begreifbaren realen Menschen und Tiere die Dualität des irdischen Lebens und dem, was darüber hinaus geht, in ihrer ganzen Vielfalt.http://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/kultur/lokale-kultur/index.htm

 Skulpturen von Willi Schmidt und Gemälde von Anne Esser sind in der Kunstarche zu sehen.<br /> 	 Foto: C. Dressler

 Foto Christine Dressler

 

Wiesbadener Kurier Kultur 20.11.2014

Ein Gemälde von Ludwig als Präsent

Kunstarche Einrichtung verkauft Werke   Ulrike Brandenburg

Wiesbaden. Die Vorweihnachtszeit ist Shoppingtime und bietet damit die Möglichkeit, Geld auch sinnvoll zu investieren, in Kunst zum Beispiel. Eine neue Gelegenheit hierfür hat die Wiesbadener Kunstarche geschaffen. Gegründet, um die Nachlässe der Wiesbadener Künstlerinnen und Künstler zu bewahren, erlaubt die Vereinssatzung auch den Verkauf von Werken – finanziert sich der Verein aus den 102 Mitgliedsbeträgen von 3400 Euro pro Jahr und aus Spenden. Die Stadt Wiesbaden stellt der Kunstarche Räume inklusive der Nebenkosten zur Verfügung. Damit ist der Bedarf nicht gedeckt. Telefon-  und Internetanschluss wollen bezahlt sein. Es fallen Werbekosten an. Transporte müssen organisiert werden. Rahmungen und Restaurierungen wollen durchgeführt sein. Außerdem macht der Verein seine Bestände über Publikationen bekannt. Die Selbstfinanzierung bleibt eine Herausforderung. Zumal der Bestand an Kunstwerken kontinuierlich anwächst. Aktuell hat Johannes Ludwig 40 Gemälde, Aquarelle und Grafiken in den Schutz der Arche gegeben. Ein Teil dieser hochsubtilen Arbeiten kann erworben werden. Ludwigs Ölgemälde sind von hoher handwerklicher und inhaltlicher Qualität. Es fasziniert wie der Künstler die semi-kubistische Landschaftsauffassung eines Paul Klee weiterdenkt, indem er aus der Zusammenführung der Themen von Licht und Geometrie im Prismatischen emotional aufgeladene psychologisch interpretierbare Dynamiken entwickelt. Das zweite größere, in der Ausstellung gezeigte Gemäldekonvolut stammt aus dem Nachlass von K.H.Buch (1901 bis 1988). Buch bevorzugt den an Cézsanne geschulten, graufarbigen Lichtraum, in die Dinge der Welt hineingestellt sind, als seien sie eine jederzeit eine widerruf bare Setzung. Mit der Illustration hat sich Heiner Rothfuchs (1913 – 2000)befasst. Der Charme dieser Arbeiten kann nicht nur erlebt, sondern auch für 70 Euro pro  Zeichnung erworben werden. Dazu kommen die Grafiken von Dieter Kliesch und Peter Lörincz, Aquarelle von Roland Winkler eine Keramikarbeit von Horst Panknin und, last not least, sehr reizende Reiseaquarelle von Christa Moering (1916-2013). Ein vorweihnachtlicher Besuch in der Kunstarche lohnt sich also. Zum Gucken und Genießen allemal, und wer dann noch einkaufen möchte, den erwartet vom Ölgemälde bis zur Skizze wertige Kunst zu freundlichen Preisen.

 

Dienstag 11.Nov. 2014 Frankfurter Rundschau

Große Kunst zum kleinen Preis

Erste Verkaufsausstellung des Vereins „Kunstache Wiesbaden“ / Treffpunkt der Szene

Der gemeinnützige Verein der „Kunstarche Wiesbaden“ hat sich seit der Gründung im November 2012 zum beliebten Treffpunkt der Kunstszene entwickelt Geld und Liebe  wurde in die Räume der Kunstarche investiert. Hier zeigt der Verein in schöner Regelmäßigkeit, welch kreative Kraft in ihr steckt. Heute wie damals.

„Wir führen das Archiv der Wiesbadener Künstlerschaft“, erklärt Felicitas Reusch,  Vorsitzende der 102 Mitglieder starken Kunstarche. Der Verein sammelt die Werke der Wiesbadener Künstler. Das Archiv des Vereins  speist sich laut Reusch oftmals aus Nachlässen. „Wir haben gerade 40 Gemälde, Aquarelle und Grafiken aus dem Nachlass von Johannes Ludwig erhalten“, berichtet die Kunsthistorikerin. Bei der Verkaufsaktion der Kunstarche gibt es einige Bilder zum Schnäppchenpreis.

Der Verein finanziert sich laut Reusch hauptsächlich aus Spenden und Beiträgen von Mitgliedern. „Etwa 3400 Euro pro Jahr kommen von den Mitgliedsbeiträgen“, berichtet sie. Die Stadt Wiesbaden stelle die Räume inklusive der Nebenkosten im Stadtarchiv zur Verfügung. „Telefon und Internet zahlen wir aber selbst“, so Reusch.

Um dem Kulturamt aber nicht noch mehr auf der Etat-Tasche zu liegen, organisiert der Verein nun seine erste Verkaufsausstellung.

„Unsere Vereinssatzung sieht vor, dass wir auch Werke zu marktüblichen Preisen zum Verkauf anbieten“, betont die Vereinsvorsitzende. Im Zuge der ersten Verkaufsausstellung werde einige Werke allerdings zum Schnäppchenpreis angeboten. Die zwei hier abgebildeten Zeichnungen aus der Feder von Heiner Rothfuchs wurden als Illustrationen in Büchern veröffentlicht. 70 Euro kosten sie jedenfalls. Rothfuchs, Buch, Kliesch  hat die Kunstarche im Angebot.

Laut Reusch hätte man diese etwa DIN-A-4 – großen Rothfuchs-Bilder auch teurer verkaufen können. Allerdings hoffe der Vorstand des Vereins im Hinblick auf weitere Verkaufs-Veranstaltungen auf einen gewissen Werbeeffekt. Die Zeichnungen werden mitsamt den Rahmenträgern verkauft und können daheim sofort aufgehängt werden.

Aber nicht nur Werke von Heiner Rothfuchs, sondern auch Arbeiten der bekannten Wiesbadener Künstler K.H. Buch, Dieter Kliesch, Thomas Duttenhoefer und Peter Lörincz, darunter viele Radierungen, werden käuflich erwerbbar sein. Die Einnahmen sollen nach Reusch für Kommunikationsmittel wie Einladungen und Bilderrahmen verwendet werden.

Arne Löffel

 

Rheinmain Presse Kultur vor Ort 10.10.2014

Galerien-Rundgang: Thalhaus und Kunstarche

Von Ulrike Brandenburg

WIESBADEN - Keine im Handel verfügbare Malanleitung verzichtet auf das Kapitel der Landschaftsdarstellung – aber ist Landschaftsmalerei tatsächlich ein Synonym für harmlosen Ästhetizismus? Was für Malanfänger gelten mag, gilt für die Profis mitnichten. Welche Fülle an Bedeutung eben das Landschaftssujet aufzunehmen vermag, beweisen aktuell die Schauen im Nerotal und in den Räumen des Stadtarchivs (Kunstarche).

„Zwischen Tag und Traum“ hat Bernd Zeißler seine Ausstellung in der Thalhaus-Galerie genannt. Die Bilder sind farbschön, ihre Motive wirken harmlos. Bei genauerem Hinschauen wird dieser Eindruck zunehmend unhaltbar. Abstrahiert Figürliches presst sich ins klaustrophobe Bildformat, Schiffe scheinen vom Meer erstickt zu werden, Ikarus – so lautet ein Bildtitel – ist quasi omnipräsent. Bernd Zeißler studierte in den 70er Jahren in Erfurt Kunst und Germanistik. Entsprechend kommentiert der Künstler mit seinen Bildern auch Franz Kafka, Hermann Hesse und Christa Wolf. Von der Autorin etwa den Roman „Kein Ort. Nirgends“. Zeißler erfindet für die fiktive Begegnung Heinrich von Kleists mit Karoline von Günderode in Winkel am Rhein ein Gartenidyll von trügerischer Romantik – das übrigens auch an die von Christa Wolf an anderer Stelle beschriebenen grünen Datscha-Inseln auf dem Boden des sozialistischen deutschen Staates erinnert.

Unter anderem politisch geht es auch in der überaus verdienstvollen aktuellen Ausstellung der Kunstarche zu. Die Veranstalter zeigen repräsentative und zumeist historische Positionen der jüngeren Wiesbadener Kunstgeschichte zumeist aus Arche-Besitz. Es begegnen bekannte Namen: Adolf Presber etwa, Erika Kohlhöfer-Hammesfahr, Michael Moering, Albrecht Graupner und KH Buch. Felix Hamsvaars „Liebliches Kochertal oder: The pershing II is coming“ (1985) hat es auf die Einladungskarte geschafft. Eine Sensation ist ein brillant gemaltes Bild mit dem harmlosen Titel „Kirschenpfad Klarenthal“ (1941). Sein Maler, Adolf Noetzel, gehörte dem kommunistischen Widerstand gegen das Naziregime an und starb im Entstehungsjahr des Gemäldes 38-jährig in der Gestapo-Haft. Dass die Welt von einer existenziellen Unordnung ergriffen ist, spürt der Bildbetrachter, noch ohne die Biografie des Künstlers zu kennen.


 Adolf Noetzel, Kirschenpfad Klarenthal (1941)

 

Freitag,1. August 2014  Rhein Main Presse

Wo Farbe den Ton angibt...
AUSSTELLUNG Kunstarche zeigt Werke der Abstrakt-Meditativen:
von Alo Altripp bis Regina Urbach

Von Ulrike Brandenburg

WIESBADEN - „Die Welt ist Farbe“ – mit diesem Zitat des spätmittelalterlichen Mystikers Nikolaus von Kues will die Wiesbadener Kunstarche, sprich Initiative zur Archivierung von Künstler/innen-Nachlässen, in einer schon jetzt verdienstvollen Ausstellungsreihe auf die in unserer Stadt immer noch lebendigen Maltraditionen aufmerksam machen.

Harmonisch komponiert

Eine zentrale Rolle für die Wiesbadener Kunstgeschichte spielte bekanntlich die historische Wiesbadener Werkkunstschule, nicht zu verwechseln mit der bis heute aktiven Wiesbadener Freien Kunstschule (WfK) – mit der Beschränkung auf das Klangprinzip unterrichtet die WfK eine in der Theorie und Praxis eingegrenzte Variante der Bauhauslehre.

„Die Welt ist Farbe“ also – vor der für 2015 geplanten expressionistischen Variante zeigt die Kunstarche in den Räumen des Stadtarchivs gegenwärtig die Abstrakt-Meditativen. Um es vorwegzusagen – die Schau ist harmonisch durchkomponiert, die Bilder lassen einander genug Raum, und das ist eine Leistung. Leider ist dieser Effekt einer Farbdämpfung, sprich, einer Dominanz abgemischter Blautöne, abgerungen – selten begegnen so dunkle Werke Oskar Kolbs (1923-1998), selten eine so leise Kerstin Jeckel, virtuose Malerin von im Normalfall kaum fassbaren Farbintensitäten. Hätte man nicht besser jedem der drei Räume einen dunkelgrauen Wandanstrich gegönnt und eine Primärfarbe zugewiesen, zwecks Steigerung der sinnlichen Gesamtintensität?

Weniger Erlebnis denn Arbeit also, die zu investieren sich allerdings lohnt. In Otto Ritschls (1885-1976) Spätwerk etwa, blau dominierte Ölbilder von samtiger Anmutung und „langsamer, ‚atmender’ Raumausdehnung“, wie Ingrid Koszinowski einmal schrieb. Ingeborg Finke (1930-2007) ist mit „strukturierten Visionen“ in blau-weißer Tonigkeit zu sehen, der dunkelnde Abendhimmel ist bei Renate Reifert assoziierbar, magisches Grün-Grau unterfängt, dem Bildtitel entsprechend, Regina Urbachs hoch-poetische Bildvision „Lethe“, coelin-blau bestimmt Edgar Diehls raffiniert erfundenes Farbrelief und auch Heiner Thiel steuerte Aluminiumformen im Blauschwung bei.

Allen Malerinnen und Malern ist der ebenso präzise wie fast meditative Umgang mit der Farbe gemein – vermag diese doch ohne weitere gegenständliche Assoziation unsere Psyche direkt zu berühren. Auf diese Weise bleibt sie übrigens auch aktuell. Es zählt nicht, ob wir ein Werk Alo Altripps (1906-1991) oder eine Arbeit Arnold Gorskis bewundern. Oder ob wir den subtilen Farbvarianten eines Johannes Ludwig folgen, spontan wirkenden Farbverläufen, die auf feintonig gemaltem Rastergrund stets als kraftvolle Wiederaufnahmen des lebens-energetischen Flusses erscheinen.

Magische Aquarelle

Das Entstehungsdatum von Oskar Kolbs magischen Aquarellen nimmt den Arbeiten nichts von ihrer Präsenz. Und erst recht nicht den Werken von Winfried Mühlum. Seit über 30 Jahren entwickelt Mühlum seine „transluziden Architekturskulpturen“, ein leiser Avantgardist, der eigentlich eine größere Bühne verdiente.
Katalog (Einführung Eva Reifert, Layout Iris Kacsmarczyk) fünf Euro

 

 "Sostenuto" heißt dieses Werk von Renate Reifert

 

Mittwoch, 16. Juli 2014 Rhein Main-Presse

Duttenhoefers "Schlachthof"

WIESBADEN - (red). Aus seinen Wiesbadener Jahren hat der Darmstädter Bildhauer Thomas Duttenhoefer die Mappe „Schlachthof“ mit 24 Radierungen, gedruckt von R. Spiegel 1990, am vergangenen Wochenende ins Archiv der Wiesbadener Kunstarche eingebracht.

Als Student der Fachhochschule Wiesbaden hatte Duttenhoefer in seinem Examenssemester 1972 im Schlachthof direkt in die Metallplatten gezeichnet. Mit dem Auge des Bildhauers hatte er die am Haken hängenden Ochsenleiber in stereometrische Formen gebannt. Duttenhoefer ließ in kreisenden Linien dabei ein bildnerisches Gedenken an die frühere Kraft der toten Körper entstehen. Felicitas Reusch, Vorsitzende der Kunstarche, freut sich, dass diese wertvollen Blätter wieder an den Ort ihrer Entstehung nach Wiesbaden zurückkommen.

100. Vereinsmitglied.
Duttenhoefer ist das 100. Mitglied des Vereins und hatte die Arche bereits bei ihrer Gründung mit eigenen Werken bestückt. So kamen von ihm seine Porträtplastiken des Bildhauers Erwin Schutzbach, des Malers Alo Altripp und des Kunsthistorikers Ulrich Gertz ins Archiv.


ein Tierkörper-Beispiel aus Thomas Duttenhoefers "Schlachthof"-Mappe, die jetzt in der Wiesbadener Kunstarche aufbewahrt wird. Foto Kunstarche

 

 

 

 

 

Rheinmainpresse 16.Januar 2014

Wiesbadener Kunstarche zeigt Werke der „Gruppe Real“

Von Birgitta Lamparth

WIESBADEN - Sie wächst und gedeiht: Seit zwei Jahren setzt sich der Verein Kunstarche für die Nachlasspflege Wiesbadener Künstler ein und bringt die Kunst-Geschichte der Stadt zusammen. Seither hat es immer wieder neue Werkkomplexe gegeben, die als Schenkungen in die Sammlung der Kunstarche kamen, die unter einem Dach mit dem Stadtarchiv Im Rad beheimatet ist. So nun auch ein großes Konvolut von Karl Heinz Buch: 150 Gemälde und 200 Grafiken hat sein Stiefsohn Friedrich Helber der Arche überlassen. Weitere Schenkungen kamen von Felix Hammesfahr (Künstlername Hamsvaar). Beide Künstler zählen zur Wiesbadener „Gruppe Real“. Grund genug, in den Räumen von Kunstarche und Stadtarchiv ab Sonntag eine Ausstellung dieser Gruppierung zu zeigen – nach fast 30 Jahren wieder einmal.

Die letzte große Schau fand 1985 im Nassauischen Kunstverein statt. Im Zusammenhang mit einer Ausstellung 1965 im Museum Wiesbaden hatten die Maler KH Buch, Bruno Reinbacher, Franz Theodor Schütt und Erika Kohlhöfer-Hammesfahr die „Gruppe Real“ gegründet – zu einer Zeit also, als abstrakte Malerei international vorherrschte „und in Wiesbaden Ritschl dominierte“, so Felicitas Reusch von der Kunstarche. Für die Mitglieder der Gruppe aber war in der figurativen Malerei noch lange nicht alles gesagt. Retrospektiv betrachtet sollten sie recht behalten.

Die Ausstellung, die am Sonntag um 12 Uhr eröffnet wird, vereint eine Auswahl von 45 Gemälden und Grafiken aus den Jahren 1962 bis 1984, die den Besonderheiten der einzelnen Maler gerecht wird. Da sind die von der Artothek entliehenen Werke von Schütt, mit ihren deutlich an der Zeichnung orientierten Umrissen und fahlen Farben. Die neusachlich wirkenden, mitunter drastisch sozialkritischen Bilder von Hamsvaar oder die vom kleinen Alltag erzählenden Stillleben von Michael Moering, der aus einer Malerfamilie kam und sowohl Neffe von Ernst-Wilhelm Nay als auch von Christa Moering war. Die düsteren Porträts von Bruno Rheinbacher, dessen Sohn Matthias die Ausstellung auch finanziell unterstützt.

Von Erika Kohlhöfer-Hammesfahr sind neben Porträts – wunderbar schrundigen, mit Spitzeneinarbeitungen strukturierte Gesichtslandschaften – auch ihre stillen Architekturbilder zu sehen. Und KH Buch ist eine Entdeckung: Der 1988 in Wiesbaden gestorbene Künstler, der parallel zum Kunststudium auch Jura studiert hatte und bei einem Straßenbahnunglück in Stuttgart schwer verletzt worden war, ist hier mit seinen oft collagierten Menschenbildern vertreten: malerisch exquisiten Akten, bissigen Witwenporträts, Werken mit subtiler Erotik, tragischer Versehrtheit und bornierter Langeweile. Bilder vom Leben mit einer düsteren Vergangenheit und scheinbar ohne Zukunft. Ein großes Werk.

 

 

 

Wiesbadener Tagblatt, Dienstag 8.Oktober 2013, Brigitte Lamparth

Streifzug durch Stadtgeschichte Ausstellung "Wiesbadener Köpfe" in Kunstarche.

Was für eine schöne Ausstellungsidee ... http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/kultur/lokale-kultur/13508436.htm

 

 

Wiesbadener Kurier, Samstag 7. September 2013, Ingeborg Toth

 Keine klassischen Ausstellungen

KUNSTARCHE Der Verein hat sich der Pflege von Nachlässen Wiesbadener Künstler verschrieben. http://www.wiesbadener-kurier.de/region/wiesbaden/meldungen/13507322.htm

 

Frankfurter Algemeine Sonntags Zeitung14.07.2013

                                          Mein Kulturtipp

                                  Künstlerin mit Kennerblick

 Wer das Heimat-Gen in seinem Erbgut hat tippt auf die eigene Stadt. In Wiesbaden ist in allen Ausstellungshäusern ein pralles Angebot. Von den vielen Angeboten im Landesmuseum möchte ich nur die von Roman Zieglgänsberger kuratierte Ausstellung Hanna Bekker vom Rath erwähnen, zeigt sie doch wie viel eine einzelne Frau in einem langen Leben für Künstler bewegen kann, wenn sich Leidenschaft mit Klugheit paart und sich zum Kennerblick kaufmännisches Geschick gesellt. Im Bellevuesaal zeigt der derzeitige Stipendiat  aus Baroda (Indien) Lochan Upadhyay sechs Vehikel, die er aus Freude an der Veränderung mit Sperrmüllteilen  aus Wiesbadens Straßen gebaut  hat. Diese delikaten Gestelle ohne Motor  transportieren eine Fülle von Assoziationen vom Morgenland zum Abendland.  Sparsamer Umgang mit Farbe und Bild charakterisiert  den Kommunikationsdesigner Albert Ernst. Das Stadtarchiv zeigt im großen Saal seine scharfsinnige Produktion aus drei Jahrzehnten. „Vor allem Schrift“ heißt diese Ausstellung zur visuellen Stadtgeschichte und ruft in Erinnerung welche Kinos, Kabaretts, Lesungen, und Diskussionsveranstaltungen mit Plakaten beworben wurden. Vom öffentlichen  Raum geht es weiter zum individuellen Künstlerschicksaal Herbert Gelhards im Kabinett der Kunstarche.  24 kleine Blätter zeigen farbige Aktdarstellungen, Sekundenzeichnungen, die es in sich haben. Sein Selbstporträt schaut zurück auf die Stadt, in der er Anwalt und Notar war, bis er sich 1976  entschloss ausschließlich freischaffender Künstler zu sein. Auch diese Ausstellung zeigt ein Werk von über dreißig Jahren nur anhand von Akt-  und Gewandzeichnungen. Intimer geht es nicht!  Wer aber die ganze Stadt im Sonnenlicht liegen sehen möchte, der kann  auf den Schläferskopf wandern und von der Terrasse des neuen Restaurants ins Tal blicken. Ich denke dann nur ‘schade, dass  diese Bürger dort unten noch kein Stadtmuseum haben‘. 

 Felicitas Reusch ist Vorsitzende des Wies­badener Nachlassarchivs Kunstarc he". 

 

 

Rückkehr nach Wiesbaden

01.03.2013 - WIESBADEN

Von Marianne Kreikenbom

AUSSTELLUNG Max Bollwage vertraut der „Kunstarche“ eine Auswahl seiner Grafiken an


  Der Besucherandrang war groß, als am Mittwochabend im Wiesbadener Stadtarchiv die Ausstellung mit Arbeiten des Grafikdesigners Max Bollwage eröffnet wurde. Anlass war die Übergabe einer Auswahl seiner Arbeiten aus den 1950er Jahren an den vor zwei Jahren gegründeten Verein „Kunstarche Wiesbaden“. Der 1927 in Offenburg geborene Künstler war anwesend und hatte es sich auch nicht nehmen lassen, die Einladungskarte höchstpersönlich zu gestalten. Gelernt ist gelernt und das perfekt.

Sinn und Zweck des Vereins Kunstarche bestehe darin, qualitätvolle Werke regionaler Provenienz zu entdecken, zu sichern und zu bewahren und sie in Ausstellungen einem größeren Publikum zu erschließen, erklärte Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz. Es handle sich um eine Ausstellung, die sich zwischen Kunst und Stadtgeschichte bewege, darin bestehe ihr besonderer Reiz, meinte Dr. Brigitte Streich vom Stadtarchiv, dem Kooperationspartner der Kunstarche.

Jugend- und Kriegsjahre hatte Max Bollwage in Berlin verbracht. Nach dem Abitur in Hildesheim begann er sein Studium an der dortigen Werkkunstschule und setzte es in Hannover bei Friedrich Heinrichsen und in Wiesbaden bei Johannes Boehland fort. In seiner Einführung in die Ausstellung sprach Professor Reiner Wiesemes von der Hochschule Rhein-Main über die Bedeutung der Werkkunstschulen und skizzierte den Werdegang des leidenschaftlichen Grafikers und Schriftgestalters Bollwage. Er schätze dessen natürliche Souveränität, den Stolz, die Fähigkeit zur Ironie und die Offenheit. Die eigene Begabung als Verpflichtung zu verstehen, sei heutigen Studenten nur noch schwer zu vermitteln, meinte Wiesemes.

Geliebte Vielfalt

Selbst in diesen ausgestellten frühen Arbeiten spiegeln sich neben der Begabung auch die Liebe zur Unabhängigkeit und zur Freiheit des Gestaltens in unterschiedlichen Genres und Materialien. Gezeigt wird die Vielseitigkeit schon des jungen Bollwage, der sich unmittelbar nach seinem Studium im fast unzerstörten Wiesbaden der Wirtschaftswunderjahre seine Auftraggeber sucht und sie zahlreich auch findet. Er gestaltet Faltblätter wie das mit dem Programm der Maifestspiele 1952 und Bücher für den Brockhausverlag, entwirft Plakate und Buchumschläge, arbeitet für namhafte Firmen wie Henkell & Co., für die Musikverlage B. Schott & Söhne in Mainz sowie Breitkopf & Härtel oder Ahn & Simrok in Wiesbaden und für den damals in Wiesbaden neu beheimateten Krausskopf-Verlag aus Berlin.

Seine Plakate haben Witz und Charme. Seine freien und mit leichter Hand gezeichneten Aquarelle illustrieren den Zauber der südlichen Landschaften erster Auslandsreisen.

Er habe in seiner Wiesbadener Zeit alles Mögliche gemacht, erklärte Max Bollwage mit besagtem ironischen Unterton und fügte hinzu: „Der Aufwand war gering und noch geringer das Honorar.“

Gestaunt habe sie, wie gepflegt und geordnet ihr Max Bollwage seine Arbeiten für die Kunstarche übergeben habe, alles frisch und gut erhalten in Farbe und Papier, berichtete Felicitas Reusch, die Vorsitzende des Vereins und Organisatorin der Ausstellung.

 

Wiesbadener Tagblatt

Rhein Main Presse Kultur  Samstag, 29.Dezember 2012

Spannende Verbindungen

29.12.2012 - WIESBADEN

Von Birgitta Lamparth

AUSSTELLUNG Kunstarche zeigt Lehrer und Schüler

Das ist ein besonderes Merkmal der Kunstarche. Etwas, was so eigentlich nur diese Institution zur Nachlasspflege von Künstlern der Region kann: Ausstellungen präsentieren, in denen neue Schenkungen in große Zusammenhänge gestellt werden. So wie bei der aktuellen: Da wird eine Schenkung in Verbindung mit dem Bildhauer Erwin Schutzbach nicht nur mit weiteren Werken des früheren Lehrers an der Werkkunstschule Wiesbaden zusammen präsentiert, sondern auch mit Arbeiten seiner ehemaligen Schüler Angelika Gassenmaier und Thomas Duttenhoefer.

Duttenhoefer, der den Nachlass Schutzbachs verwaltet, war es, der eine Arbeit an die Institution gegeben hat, die unter einem Dach mit dem Stadtarchiv im Gewerbegebiet „Im Rad“ in den ehemaligen Räumen der Artothek ein eigenes Domizil gefunden hat. Der 1993 gestorbene Schutzbach war ab 1958 Leiter der Bildhauerklasse an der Wiesbadener Werkkunstschule und hat eine ganze Bildhauer-Generation nach ihm geprägt. Duttenhoefer, der seinem Lehrer in besonderem Maße verbunden war, hat ihn in Bronze porträtiert und diesen Kopf aus seinem Privatbesitz der Kunstarche gestiftet.

Daneben sind Terrakotta- und Klinker-Arbeiten Schutzbachs zu sehen, die aus den Jahren 1963 bis 1965 stammen und die ganze Klasse dieses Bildhauers zeigen. Entfernt an Häuser und intensiver an Felswände erinnernd, bieten sie innerhalb ihrer Fassaden eine spannende Dreidimensionalität: Einbuchtungen wie Fenster und Vorsprünge wie Balkone lassen architektonische Assoziationen zu und sind doch ganz eigenständig. Ritzungen und Schrunden geben der Oberfläche malerische Textur. Und wenn sich plötzlich bauchige Vorformen finden, dann gibt es auch wieder einen Zusammenhang zum von der vom Menschen ausgehenden Grundform, die Schutzbach seinerzeit bei seinen eigenen Lehrern vorfand.

Seine beiden Schüler Duttenhoefer und Angelika Gassenmaier - später Angeli K. genannt - haben diese Einflüsse auf ihre eigenen Weise weitergeführt. Angeli K. hat sich insbesondere in ihren Terrakotta-Werken mit Architektur auseinandergesetzt. Jörg Gassenmaier hat der Kunstarche eine zweifarbige Tonplastik seiner 2009 gestorbenen Frau gestiftet. Und Thomas Duttenhoefer, der heute in Darmstadt lebt und arbeitet, hat der Kunstarche ebenfalls weitere Arbeiten gespendet, darunter auch ein Porträt von Ulrich Gertz, dem großen früheren Professor für Kunstgeschichte. Eine interessante Schau also, der am 27. Febraur (Eröffnung: 18 Uhr) mit der Einzelausstellung zu Max Bollwage die nächste folgt.

Eine Besucherin an einer Arbeit des Bildhauers Erwin Schutzbach mit bauchartiger Vorwölbung. 	 Foto: privat Besucherinnen an einer Arbeit des Bildhauers Erwin Schutzbach mit bauchartiger Vorwölbung.

Die Ausstellung läuft bis 9.Februar 2013

Öffnungszeiten Mo,Di,Do,Fr 8-12 Uhr, Mi 8-18 Uhr.

 

  

Rhein Main Presse  Wiesbadener Tagblatt Kultur 11.09.2012

Reise in die Geschichte

11.09.2012 - WIESBADEN

Von Birgitta Lamparth

KUNSTARCHE Seit drei Monaten wird Im Rad Kunst aus der Region aufbewahrt und erschlossen

Er gleicht einem Gang durch die hiesige Kunstgeschichte, der Besuch im Domizil des Vereins „Kunstarche“. Seit genau drei Monaten beherbergen die ehemaligen Räume der Artothek (Im Rad 42) nun die Bilder und Bücher.

Gerade eben hat das Ehepaar Gorsky zwei Werke des Wiesbadener Malers Oskar Kolb als Archivgabe gespendet. Und der Bildhauer Wolf Spemann - wie Arnold Gorsky Gründungsmitglied - hat jetzt Industriezeichnungen aus dem Jahr 1954 eingebracht, aus der Klasse von Alo Altripp. Genau das ist typisch für die Kunstarche: Sie ist von Künstlern für Künstler gegründet. Und für alle, die sich für die Kunstgeschichte Wiesbadens des 20. und 21. Jahrhunderts interessieren.

„Kunstgeschichte ist auch ein Kapitel der Stadtgeschichte“, so denn auch Felicitas Reusch, erste Vorsitzende des Vereins. Die Kunstarche schließe hier eine Lücke - denn bisher gab es keine kunsthistorische Anlaufstelle in Wiesbaden. Mit der Übernahme des Museums, das bis dato auch städtische Galerie war, durch das Land Hessen, habe eine sich langsam steigernde Entfernung der in der Stadt tätigen Kunsthistoriker von der Wiesbadener Künstlerschaft begonnen, so Reusch. Die Kunstarche soll, auch retrospektiv, dem wieder entgegenwirken.

Zum Beispiel durch eine Bibliothek, in der die Kataloge der Wiesbadener Künstler und Wiesbadener Ausstellungsorte dokumentiert sind. Ihr Aufruf daher: „Wer Bücher über Wiesbadener Künstler hat, kann sie bei uns oder beim benachbarten Stadtarchiv für uns abgeben.“ Von solchen Spenden lebe die Kunstarche.

Das älteste Buch, das derzeit in ihrem Besitz ist: Der Katalog „30 deutsche Künstler“ aus dem Jahr 1929 zu einer damaligen Museumsausstellung. Solche Spenden kommen auch der Wissenschaft wieder zugute: Wer eine Dissertation schreiben will, findet hier Informationen - und Querverbindungen zu Arbeiten, die zum Bestand der Kunstarche zählen. Mittlerweile zählen 43 Mitglieder dazu, und auch da zeigen sich die Vernetzungen: Zweite Vorsitzende ist Renate Reifert, Vorsitzende des Berufsverbandes Bildender Künstler Wiesbaden, und Hauptsponsor der Kunstarche ist die IG der Wiesbadener Galerien. Die Stadt unterstützt den Verein mit der Übernahme der monatlichen Miete und einer Starthilfe von 7000 Euro. „Wir sind auf Spenden angewiesen“, so Felicitas Reusch.

Geplant sind weitere Ausstellungen. Die nächste ist im Herbst Max Bollwage gewidmet, der an der Werkkunstschule studiert hat. Über die ersten fünf Jahre dieser Institution forscht zur Zeit Professor Reiner Wiesemes von der Fachhochschule Rhein-Main - auch bei der Kunstarche. Eine von vielen Vernetzungen...

 

Rhein Main Presse   Wiesbadener Tagblatt Kultur  12.6.2012


Geordnete Verhältnisse

12.06.2012 - WIESBADEN

Von Marianne Kreikenbom

ERÖFFNUNG Verein Kunstarche nimmt seine Arbeit in neuem Domizil auf

Deutlich mehr Gäste als erwartet waren der Einladung des Vereins Kunstarche gefolgt und zur offiziellen Eröffnung seiner Räume und Tätigkeit ins Haus des Stadtarchivs gekommen. Nach Auszug der Artothek ist die Kunstarche nun Im Rad 42 untergebracht.

Ziel und Zweck des Vereins ist die Aufnahme von Künstlernachlässen. Den Sammlungsschwerpunkt bildet die Kunst aus Wiesbaden nach 1945. Entdecken, bewahren und erforschen - das sind die Aufgaben des im Oktober 2011 gegründeten Vereins, dessen Initiatoren die Künstler Wolf Spemann, Johannes Ludwig und Arnold Gorski sind. „Wir haben es geschafft, wir können beginnen“, jubelte Felicitas Reusch, Gründungsmitglied und Erste Vorsitzende des Kunstarche-Vereins.

„Nächste Woche kaufen wir einen PC, und dann geht’s schon los mit der Inventarisierung des Heiner-Rothfuchs-Nachlasses.“ Der ist umfangreich und ein Geschenk vom Sohn des Malers, Illustrators und Gebrauchsgrafikers. Der gebürtige Thüringer Heiner Rothfuchs (1913-2000) lebte nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft ab 1946 in Wiesbaden, wohin seine Familie übergesiedelt war. Er arbeitete als Zeichenlehrer an der Gewerbeschule, später als Leiter der Fachklasse für Illustration und Wissenschaftliche Grafik an der Werkkunstschule und ab 1970 als Dozent an der Wiesbadener Fachhochschule. In den 1980er Jahren illustrierte Rothfuchs sämtliche vom Bertelsmann-Verlag herausgegebenen Karl-May-Bände.

Für die Eröffnungsveranstaltung hatte Felicitas Reusch eine kleine Ausstellung seiner vielfältigen Arbeiten zusammengestellt: Wiesbadener Plakate aus den 50er Jahren und wissenschaftlich exakte Zeichnungen von Schmetterlingen und Pflanzen.

Der in Berlin geborene Maler Michael Moering (1942-1986) war Mitglied der Wiesbadener „Gruppe 50“ sowie der „Gruppe Real“ und im Zeichnen ein Schüler von Heiner Rothfuchs. Dr. Renate Moering überließ der Kunstarche zwei Bilder aus dem Nachlass ihres Mannes: „Selbstbildnis mit blauem Hut“ und „Prozession auf Ibiza“. Von Doris und Wolf Spemann erhielt der Verein eine Arbeit des einst bei Kunstkritik und Publikum beliebten Wiesbadener Malers Hans Wagner (1902-1980).

In Sachen Künstler, Werkkunstschule und Kunstvereine klafften in Wiesbaden schmerzliche Überlieferungslücken, stellte die Leiterin des Stadtarchivs Dr. Brigitte Streich fest und verspricht sich eine fruchtbare Zusammenarbeit mit den neuen Nachbarn. Dr. Hans-Jörg Czech, Direktor des Stadtmuseums und als solcher Mitglied im Arche-Vorstand, erinnerte an die besondere Bedeutung von Kunstwerken als Spiegelbilder ihrer Zeit.

 

 Felicitas Reusch mit einem Plakat von Heiner Rothfuchs zum Maskenball im Kurhaus 1953 „Mit Carmen zum Mittelmeer“. Foto: wita/Uwe Stotz

 

 

Rhein Main Presse - Wiesbadener Tagblatt -   Kultur            19.05.2012

Spende für die Wiesbadener Kunstarche

19.05.2012 - WIESBADEN

Von Ulrike Brandenburg

SPENDE Verein kümmert sich um Nachlässe / Nun Geld für die Basisausstattung

 Der Scheck ist überreicht und die Freude groß. Denn mit den 3500 Euro, die der Sprecher des Interessenverbandes der Wiesbadener Galerien, Erhard Witzel, am Freitag Felicitas Reusch, der ersten Vorsitzenden des Vereins Kunstarche, überreichte, können ein Computer und eine Fotoausrüstung angeschafft werden und damit die Basisausstattung für die anstehende Archivierung und Aufarbeitung von Künstlernachlässen in den neu übernommenen Räumen im „Haus des Stadtarchivs“.

20 Prädikatsweingüter haben in der Kurzen Nacht der Galerien und Museen in Wiesbaden am 24. März ihre Weine gesponsert - für einen Euro pro Glas wurden sie verkauft. Knapp 3000 Euro kamen so zusammen, die Interessengemeinschaft der Wiesbadener Galerien rundete auf 3500 Euro auf. Zusammen mit den Mitgliedsbeiträgen von jeweils 50 Euro jährlich und den von der Stadt zugesagten so genannten Tronc-Mitteln, den Überschüssen der Wiesbadener Spielbank, wird sich der Verein Kunstarche also über 12 000 Euro an Zuwendungen freuen können - Geld, das den anspruchsvollen Zielen der Arche entgegenkommt, die Gründungsmitglied Johannes Ludwig übrigens im Herbst mit einem Sonderverkauf seiner Grafiken im Pressehaus aufstockend unterstützen wird.

 Der Zweck des jungen Vereins besteht darin, Künstlernachlässe, Kunstgegenstände, Skizzen- und Tagebücher, Autographen, Akten, Fotos, Archive und andere vergleichbare Materialien aufzunehmen und zu betreuen, über eigene Ausstellungen und Publikationen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und für externe Forschungen und Publikationen zur Verfügung zu stellen. Anfragen an die Stadt Wiesbaden, etwa von im Ausland lebenden Nachfahren hiesiger Künstler, konnten in der Vergangenheit nicht ausführlich genug beantwortet werden, weiß Gründungsmitglied Wolf Spemann. „Deswegen werden wir dokumentieren, was wir nicht langfristig in die Arche aufnehmen können, etwa auch, weil es von der Jury abgelehnt wurde“, so Spemann.

 Mit der Umsetzung seiner Vorhaben steht der junge, im Oktober 2011 gegründete und eingetragene Verein allerdings noch am Anfang. Mit der aktuellen Übernahme des Nachlasses von Heiner Rothfuchs (1913-2000), dem bekannten Wiesbadener Künstler und Gebrauchsgrafiker, gibt es nun eine neue Herausforderung. Es wird eine Weile dauern, bis „der gigantische, auch Skizzenbücher, Tagebücher und Korrespondenzen umfassende Nachlass“ aufgearbeitet sein wird, so Felicitas Reusch, die sich eine diesbezügliche Zusammenarbeit mit der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität wünscht. Vor der wissenschaftlichen Durchsicht aber steht die Konservierung, die dank der neuen Räume im Rad 42 nun begonnen werden kann. „Wir können bei der Inventarisierung und Restaurierung beraten“, so Hans-Jörg Czech, Direktor des Stadtmuseums und von Amts wegen als Vertreter der Stadt Vorstandsmitglied der Arche. „Das Stadtmuseum hat ja einen anderen Sammlungsschwerpunkt, sodass die Kunstarche hier einen wertvollen, ergänzenden Beitrag leistet.“


Erhard Witzel übergibt in Anwesenheit von Kulturdezernentin Roselore Scholz und Vereinsmitgliedern den Scheck an Felicitas Reusch vom Verein Kunstarche Wiesbaden. Foto: wita/Paul Müller

 

Rhein Main Presse- Wiesbadener Tagblatt- Kultur Dienstag, 17. Januar 2012

Unter einem schützenden Bogen AUSSTELLUNG : Das Stadtmuseum zeigt Schau über die Wiesbadener Kunstarche

17.01.2012 - WIESBADEN


Von Birgitta Lamparth

 Sie lagen buchstäblich schon im Müll. In einem alten Agfa-Karton wurden die Fotografien von Wolfgang Ost entsorgt. Das frühere Mitglied der Gruppe 50 war gestorben. Gertraud Hasselbach hatte davon gehört - und rettete die wunderbaren Fotografien vor einem traurigen Schicksal. Jetzt hängen sie in der Ausstellung, die gestern Abend im „Schaufenster Stadtmuseum“ eröffnet wurde und sich dem Verein „Kunstarche“ widmet.

 Retten und Bewahren - das ist die Aufgabe des Vereins. Er wurde von Künstlern gegründet, damit genau das nicht passiert: Dass ein Lebenswerk nach dem Tod in alle Winde verstreut wird oder wie bei Wolfgang Ost noch Schlimmeres droht. „Sie arbeiten ganz anders im Alter, wenn Sie wissen, dass Ihre Arbeit in gute Hände kommt“, sagt Arnold Gorski. Er hat die Kunstarche gemeinsam mit seinem Malerkollegen Johannes Ludwig und dem Bildhauer Wolf Spemann ins Leben gerufen. Vorläufer dazu gab es, auch das dokumentiert die Schau, schon in Darmstadt oder in Berlin. Hier war es der in Schlangenbad lebende Kunstprofessor Ludwig, der sich Ende der 90er Jahre mit der Gründung einer Nachlassverwaltung auch anderer Künstler befasst hatte. Seine Idee fiel auch bei einer Versammlung von Künstlern über 60 vor zwei Jahren im Kunsthaus auf fruchtbaren Boden.

 Die Kunstarche sammelt seither Arbeiten aus Nachlässen von Künstlern, die im Umfeld Wiesbadens gelebt haben. Nach dem Umzug der Artothek in das neue Gebäude der Kunsthalle auf dem Schulberg hat die Stadt der Kunstarche dafür den Raum neben dem Stadtarchiv im Gewerbegebiet Im Rad zur Verfügung gestellt. „Wenn wir aber noch fünf, sechs weitere Nachlässe aufnehmen, dann ist der Raum voll“, sagt Arnold Gorski. Das sei also ein Provisorium, „aber es ist ein Anfang“.

 Und den beleuchtet die Ausstellung auch im übertragenen Sinne: Nach der Idee von Hans-Jörg Czech, Direktor des Stadtmuseums, wird gleichzeitig an die Künstlervereinigungen erinnert, die seit 1945 in Wiesbaden entstanden sind. Und das sind nicht wenige: 1948 der Künstlerbund, 1950 die Gruppe 50, 1951 der Künstlerkreis um Adolf Presber, 1955 der Berufsverband Bildender Künstler und 1965 die Gruppe Real um Felix Hammesfahr. Eine schöne Idee ist die besondere Ausstellungsarchitektur. „Wir wollen bei unseren Ausstellungen den Raum zum Erzählen bringen“, so Dr. Torben Giese vom Stadtmuseum. Und er erzählt: Mit Kunst an Gitterwänden von der Archivierung, mit dokumentarischen Texten auf gebogenen Holzwänden vom Bau einer Arche. Und in der Mitte eines Raumes wurde sogar ein richtiger Kunstarche-Arbeitsplatz eingerichtet.

 Daran freilich mangele es in der Realität noch, so Arnold Gorski: „Uns fehlen finanzielle Grundlagen - wir hoffen auf Sponsoren.“ Die könnten sich in der Ausstellung auch von der Qualität der Werke überzeugen, die es für die Stadt und die Nachwelt zu erhalten gilt.

Manche Arbeiten, die jetzt hier hängen, seien Schenkungen, einiges auch Leihgaben, berichtet Felicitas Reusch, Vorsitzende des Vereins Kunstarche. Zu sehen sind ausschließlich Werke von verstorbenen Künstlern, und dabei trifft man auf viele bekannte Namen: Von Alo Altripp über Vincent Weber bis zu Oskar Kolb und Franz Theodor Schütt. Auch zwei Arbeiten von Renate von Christen sind zu sehen, die erst vor wenigen Wochen gestorben ist. Und Plastiken von Horst Panknien - auch sie wären fast im Müll gelandet. Aber nicht ohne Grund hat Wolf Spemann für die Kunstarche ein symbolisches Signet entwickelt: eine Arche, mit einem schützenden Bogen darüber.

 

Felicitas Reusch, Vorsitzende des Vereins Kunstarche, und Gründungsmitglied Arnold Gorski in der Ausstellung, die auch von der Architektur her das Thema Arche und Depot betont. Foto: wita/Paul Müller